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Geschichte

Unsere Wurzeln – ein kleiner historischer Abriss
Wir zitieren aus einer Festschrift von 1929:

Nachdem der Primaner der Thomasschule zu Leipzig, Richard Müller, schon seit längerer Zeit zusammen mit einigen Freunden geplant hatte, einen Verein zur Pflege des vierstimmigen, weltlichen Männergesangs zu gründen, berieten sie sich am 21. April 1849 endgültig. Am 12. Mai 1849 ließen sie zum ersten Male ihre Lieder erschallen, an denen sich seitdem Jahr für Jahr neue Geschlechter emporgehoben haben zur Kunst und zur Freude am Leben.
Dem Verein gab man, treu der Gedankenwelt des humanistischen Gymnasiums, den Namen Arion nach dem griechischen Dichter und Musiker des 6. vorchristlichen Jahrhunderts. Als bunte Abzeichen trug man die Farben rot, grün, gold.
1851 wechselte ein großer Teil dieses rein schulischen Chors auf die Universität über. Um nicht die musische Qualität des Chors zu gefährden, mussten sich die Arionen nach außen öffnen.
Im Jahre 1853 trat der erste Student, jedoch kein Thomaner, in den Kreis der Sänger ein. 1855 hatte der Chor bereits eine Stärke von 40 Sängern und wurde in den folgende Jahren weiter ausgebaut. In dieser Zeit stellten die Arionen jedoch keine Korporation im eigentlichen Sinne dar, sondern bildeten nur einen Zusammenschluss von studentischen Sängern, die Freude an der Musik hatten.
Erst 1864 wurde der Arion eine Verbindung, wie wir sie noch heute verstehen. Das unbedingte Zusammengehörigkeitsgefühl seiner aktiven und passiven Mitglieder konnte so nach außen hin dokumentiert werden. Man hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Viele Prinzipien des damaligen Verbindungsgeistes kollidierten mit dem musischen Prinzip des Arion. Trotzdem bewahrte der Arion seine Eigenart als Hüter der Musikpflege.
Der Kontakt zum Thomanerchor blieb über viele Jahrzehnte erhalten. Am sichtbarsten wird das durch den berühmten Thomaskantor Günther Ramin, der eine Zeitlang den Arionenchor geleitet hat. Im Leipziger Gewandhaus traten die Arionen häufig in konzertanten Werken auf. Aus dieser gemeinsamen Arbeit erwuchs der Wunsch, den Dirigenten des Gewandhausorchesters Wilhelm Furtwängler an den Arion zu binden. 1928 nahm er das Angebot an, Ehrenmitglied des Arion zu werden.
1911 erwarb der Arion ein eigenes Haus in der Elsterstraße, nur 300 m von der Thomaskirche entfernt. Durch einen Anbau wurde ein großer Probenraum mit Bühne geschaffen, der auch für Theateraufführungen geeignet war. Es gab ein Billardzimmer und eine Kegelbahn. Die finanziellen Belastungen waren vergleichsweise groß, obwohl man zwischenzeitlich über 1000 zahlende Alte Herren in den Listen führte.

Die Nazizeit und ihre Folgen

Genau wie für alle anderen studentischen Verbindungen brachte 1933 einen Abbruch aller Traditionen. Man löste die aktiven Verbindungen auf und zwang die Alten Herren unter Androhung des Verlustes der Steuervergünstigungen, so genannte studentische Kameradschaften einzurichten. Das Arionenhaus war der Führung des NS-Studentenbundes – einer Untergliederung der NSDAP - dabei besonders wichtig, weil es den größten Raum für Veranstaltungen bot. Während sich andere Verbindungen auflösten, wurde auf dem Arionenhaus die Kameradschaft "Volker von Alzey" gegründet. Vordergründig geschah das freiwillig. Die meisten Alten Herren votierten für die Einrichtung der Kameradschaft, weil für sie die Hauptsache nach wie vor gegeben schien: Die Chorstunden wurden weiterhin abgehalten und auch die Weihnachtsstücke wurden weiterhin aufgeführt.
Der Nachwuchs war natürlich nicht mehr so stark. Deshalb hatte man Sorge, die noch bestehende Hypothek nicht mehr bedienen zu können. Man entschloss sich aber, das Haus zu halten. Erst 1942 wurde von dem NS-Studentenbund eine Einheitssatzung erlassen, in der die Altherrenvereinigungen de facto ihr Eigentum auf den NS-Altherrenbund übertrugen. Diese sog. Mustersatzung wurde mit dem Zusatz, dass der Arion sich der musikalischen Arbeit verpflichtet fühlt, angenommen. Die Eintragung ins Grundbuch erfolgte allerdings formal inkorrekt, um nach dem Krieg das Eigentum aus Formalgründen zurückzufordern. So verfuhren die meisten Verbindungen, weil sie keine andere Möglichkeit sahen, dem Druck des NS-Studentenbundes zu widerstehen. In den alten Bundesländern gelang es Anfang der fünfziger Jahre tatsächlich, die Eintragungen in das Grundbuch zu revidieren. In den neuen Bundesländern gelang das auf Grund des Einigungsvertrages dagegen nicht. Die Sängerschaft Arion verlor 1996 einen Musterprozess. Auch eine Verfassungsbeschwerde fruchtete nicht.

Der Neubeginn in Göttingen

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Universität Göttingen die Patenschaft für die Universität Leipzig. Es lag daher nahe, 1949 Göttingen als neuen Standort für die immer noch sehr starke Sängerschaft Arion auszuwählen. 1951 begann der Aktivenbetrieb wieder. Couleurlokal war das Gasthaus "Drei Lilien". Schon bald konnte eine eigene Etage in der Weender Str. 37 und schließlich 1963 das eigene Haus in der Reinhäuser Landstraße 51A bezogen werden.
Weil 1949 noch zu früh war für ein großes Stiftungsfest, wurde 1959 ein großes, glanzvolles 110. Stiftungsfest gefeiert. Die Zahl der studentischen Mitglieder hatte sich eingependelt, so dass der Chorbetrieb durchgeführt werden konnte. Aber das Fehlen der konstanten Nachwuchsquelle Thomanerchor und der Bruch der musikalischen Kontinuität waren nicht wettzumachen. Zwar gelang es zum 125. Stiftungsfest 1974 eine Schallplatte zu produzieren, aber an regelmäßige Auftritte oder an die Aufführung von Weihnachtstücken gemäß der Leipziger Tradition war nicht zu denken. So ist es nicht verwunderlich, dass manch guter Sänger den Chor und auch die Sängerschaft wieder verlassen hat.
Die Sängerschaft Arion ist dennoch ihren Prinzipien treu geblieben. Trotz wiederholter personeller Rückschläge, trotz vieler Vorurteile gegen alle Arten von "Burschenschaften" bzw. Studentenverbindungen haben wir stets den Neuanfang gesucht und gefunden.

Vereinigung mit der Königsberger Sängerschaft Altpreußen

1921 wurde auf dem Leipziger Arionenhaus die Sängerschaft Altpreußen zu Königsberg gegründet. Alle Gründungsmitglieder waren Arionen. In Königsberg wuchs die Sängerschaft Altpreußen bald zu einer gesunden Verbindung mit eigenem Chorbetrieb heran. Bereits 15 Jahre später musste sie sich auflösen. An eine Rückkehr nach Königsberg war nach dem Krieg nicht mehr zu denken. In dankbarer Erinnerung an die Gründungsgeschichte schlossen sich die verbliebenen Altpreußen dem mittlerweile in Göttingen florierenden Arion an. Seit 1968 tragen deshalb alle Aktiven zwei Couleurbänder. An der roten Arionenmütze befindet sich seither die Königsberger Alberte. Seit 1968 trägt der Fuxmajor die weiße Mütze der Altpreußen, seit 1975 auch die weiße Pekesche zu feierlichen Anlässen.
Die Sängerschaft Arion-Altpreußen fühlt sich verpflichtet, ostpreussisches Kulturgut zu pflegen. Sichtbarster Ausdruck ist ein Traditionszimmer im Hause Reinhäuser Landstraße 51A.
Altpreusenband